Ö1

Radiokolleg - Wenn Wut explodiert

GewaltpräventionNeue Wege in der Gewaltprävention (4). Gestaltung: Ute Maurnböck Wie entsteht Wut, wie kann man die Gewaltspirale durchbrechen und noch besser: Wie kann man Gewalt präventiv verhindern? Feminizide, also Frauenmorde haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Weltweit, aber auch in Österreich. Die Gesetze, die Frauen schützen sollen, gelten als gut, allerdings ist die Zahl an Plätzen in Frauenhäusern laut Expert/innen zu niedrig. Sie kritisieren auch, dass voriges Jahr weniger Betretungsverbote ausgesprochen wurden, also die Polizei Gewalttätern nicht den Zutritt zu gemeinsamen Räumlichkeiten verwehrt hat. Ein weiterer Kritikpunkt: Funktionierende Projekte wurden gestrichen - das Projekt MARAC (Multi-Agency Risk Assessment Conference) zum Beispiel, in dem die Polizei fix eingebunden und an Präventivarbeit zu Verhinderung von schwerer Gewalt tätig war. Gründe, warum Frauen in gewalttätigen Beziehungen bleiben, sind unter anderem die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner und das Verharmlosen von männlicher Gewalt. Körperliche Gewalt an Männern findet in den meisten Fällen außerhalb der eigenen vier Wänden statt, innerhalb der Familie ist sie vorwiegend psychischer Natur. Als Opfer, auch wenn sie nicht direkt von Gewalt betroffen sind, gelten Kinder in gewalttätigen Beziehungen. Seit nunmehr 30 Jahren - der Internationale Tag der Kinderrechte wird jedes Jahr am 20. November begangen - setzt sich die UN-Kinderrechtskonvention für Kinderrechte ein, für ein Leben, in dem sich Kinder möglichst gut entfalten können. Österreich hat sich vor 20 Jahren mit einem Gesetz dem Prinzip der "gewaltfreien Erziehung" verpflichtet, die "gesunde Watsche" sollte es nicht mehr geben. Dass Eltern nach wie vor ihrem Zorn mit psychischer und physischer Gewalt Luft machen, ist allerdings Fakt. Inzwischen gibt es österreichweit wie international viele Projekte, die mit Täter/innen wie Opfern arbeiten. In Graz und am Balkan zeigt die Arbeit an männlichen Rollenbildern große Erfolge. In Brasilien bemühen sich NGOs, Jugendlichen aus gewalttätigen Milieus Wege in ein anderes, gewaltfreies Leben zu zeigen: durch kreative künstlerische Arbeiten etwa oder auch durch sozialarbeiterische Maßnahmen. Inhaftierten Jugendlichen zum Beispiel sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die verhindern sollen, dass sie wieder ins Gefängnis kommen, aber auch ein Leben außerhalb dominierender, gewalttätiger Gangs aufbauen können.
Donnerstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen

hurrikansHurrikans Zerstörerische Winde in Zeiten des Klimawandels Was der Wind zu uns trägt Von Samen, Staub und anderen Passagieren der Lüfte Das Kalenderblatt 21.11.1953 Piltdown-Mensch als Täuschung entlarvt Von Sarah Khosh-Amoz Hurrikans - Zerstörerische Winde in Zeiten des Klimawandels Autorin: Roana Brogsitter / Regie: Christiane Klenz Darüber, dass der Klimawandel in manchen Regionen der Welt die Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen steigert, herrscht mittlerweile Konsens unter Klimaexperten. Wie sieht das bei anderen Extrem-Wetterereignissen wie Hurrikans aus? Hier ist der Nachweis ungleich schwerer, die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Die deutsche Physikerin Friederike Otto leitet das Environmental Change Institute an der Universität Oxford. Sie hat hier maßgeblich eine neue Wissenschaftsdisziplin mitentwickelt - die sogenannte Attributionsforschung oder Zuordnungswissenschaft. Sie untersucht, welchen Anteil der Klimawandel an einzelnen Extrem-Wetterereignissen hat. Ein Hurrikan wie Harvey, der im August 2017 das texanische Houston verwüstete, 83 Menschen das Leben kostete und Schäden in Höhe von 150 bis 180 Milliarden Dollar verursachte, ist laut ihren Berechnungen durch die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperaturen deutlich wahrscheinlich geworden. Doch Hurrikan ist nicht gleich Hurrikan - es gibt auch Hinweise, dass der Klimawandel dem Auftreten von Hurrikans entgegenwirkt. Insgesamt zeigt sich laut Prof. Uwe Ulbrich, der an der TU Berlin meteorologische Extremereignisse untersucht, jedoch eine erste Tendenz. Und die ist nicht beruhigend. Die Häufigkeit schwerer Hurrikans ist allerdings nicht das einzige Phänomen, das dem Klimawandel zugeschrieben wird: Sie kommen heute auch an Orten vor, an denen es früher keine gab und sie sind langlebiger. Uwe Ulbrich und sein Team haben herausgefunden, dass der Klimawandel zudem auch Auswirkungen auf eine andere Kategorie von extremen Stürmen hat: Medicanes, tropen-ähnliche Wirbelstürme im Mittelmeer ... Was der Wind zu uns trägt - Von Samen, Staub und anderen Passagieren der Lüfte Autorin: Inga Pflug / Regie: Martin Trauner Wo viel Wind ist, da ist wenig Staub - so sagt es der Volksmund. Doch wenn der Wind richtig steht, dann bringt er Unmengen an feinen Staubpartikeln mit sich. Beispielsweise aus der Sahara. Doch die gelbe Schicht, die Autofahrer im Sommer regelmäßig in Scharen zu den Waschanlagen treibt, war einst ein wahrer Segen für die Landwirtschaft in Bayern: Meterhohen Staubschichten aus der letzten Eiszeit hat die Region rund um Kitzingen in Unterfranken beispielsweise seine guten Löss-Böden zu verdanken. Insbesondere Spargel und Getreide profitieren hierzulande von den Nährstoffen aus der Wüste. Doch der Wind trägt noch weit mehr nützliches Gepäck mit sich: Manch ein Wald in Bayern würde vielleicht gar nicht existieren, hätte nicht der Wind die Samen der Pionierbaumarten zu uns gebracht. Und auch manch unbeflügeltes Insekt nutzt den Windfaktor und reist als blinder Passagier mit dem Wind. Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Iska Schreglmann / Matthias Eggert
Donnerstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Geronimo oder Winnetou?

winnetouIndianerromantik diesseits des großen Teiches (4). Gestaltung: Christa Nebenführ Der österreichische Schauspieler Adi Hirschal taufte seinen Sohn zu Ehren des letzten Apachenhäuptlings auf den Namen "Geronimo", der Berliner Kieferorthopäde Winnetou Kampmann hat seinen Vornamen vom Vater geerbt und an seinen Sohn weitergegeben. Der erwählte Namenspatron des einen ist eine historische Figur, der des anderen eine Romanfigur. Doch die beiden Erscheinungsformen von Heldentum überschneiden sich in vieler Hinsicht. Wovon träumten und träumen die Menschen in der Alten Welt wenn sie den "Roten Mann" idealisieren und romantisieren? Was ersehnte Franz Kafka in seinem Kurzprosatext: "Wunsch, Indianer zu werden"? Wer einst kindlich naiv die von Karl May beschriebene Lebensweise Winnetous für Realität hielt, wandte sich nicht selten später den Ikonen Geronimo oder Sitting Bull zu. Ein historischer Kern bewahrt jedoch nicht vor Mythenbildung und idealisierenden Zuschreibungen. So gab es zwar im 17. Jahrhundert einen Häuptling der Mohegan namens Uncas, aber dieser hatte wenig Gemeinsamkeit mit der gleichnamigen Figur in der Lederstrumpf-Reihe des Amerikaners James Fenimore Cooper. Das verbreitete Indianerbild ist die Konstruktion eines eurozentrischen Weltbilds und verrät mehr über Europas kulturellen Hintergrund und Horizont als über Amerikas Ureinwohner. Christa Nebenführ hat einen Streifzug durch Museen, Literatur und Aufführungen unternommen und sich bei Völkerkundlern und "Indianerfreunden" erkundigt, wie viel die Dichtung über die Wahrheit verrät.
Donnerstag 09:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Sweet Soul Music

SuperflyZum 50er - Vier Alben mit Black Power (4). Gestaltung: Stefan Niederwieser In Detroit drückt die Hitze, heißer als die Hölle soll es gewesen sein, sagen Augenzeugen. Es ist Sommer im Jahr 1967. In Detroit sind die Stadtviertel noch stärker segregiert als in den Südstaaten, Armut ist allgegenwärtig, Polizeigewalt ebenfalls. Bei einer nächtlichen Feier in einer illegalen Bar werden alle Feiernden von der Polizei verhaftet, ein Funke springt über, er entzündet sich, in der Hitze der Nacht brechen Unruhen aus. Manche sagen auch Rebellion zu diesen fünf Tagen, die folgen, oder Aufstand. Am Ende ist die Polizei nicht mehr Herr der Lage, die Nationalgarde muss einrücken, 43 Menschen sind tot, über tausend verletzt und noch mehr Gebäude sind zerstört. Detroit ist damals ein Zentrum afroamerikanischer Kultur. Das Label Motown produziert hier Hits am laufenden Band, auch die junge Aretha Franklin wohnt hier. Einige Kilometer weiter schreibt Curtis Mayfield in Chicago hoffnungsvolle, stolze Songs, während Sly The Family Stone an der Westküste multiethnischen Widerstand proben. In diesem Radiokolleg sollen große gesellschaftspolitischen Themen dieser Zeit anhand von vier Soul-Alben nacherzählt werden. *Curtis Mayfield, Blaxploitation und das Ende einer Ära* "Curtis" von Curtis Mayfield wiederum reflektiert die Resignation, die sich mit der Wahl von Richard Nixon, mit Deindustrialisierung und einer Heroin-Epidemie unter vielen Schwarzen verbreitet hatte. Während der Soundtrack "Superfly" einen Kontrapunkt zu den billigen Blaxploitation-Filmen der Zeit bildete, konzentriert sich im Song "Move On Up" das Vermächtnis einer Ära, in der Pop-Musik so politisch war nie zuvor.
Donnerstag 09:45 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

neuroplastizitätNeuroplastizität Wie das Gehirn sich neu strukturiert Hurra, falsch! Aus Fehlern lernen Das Kalenderblatt 21.11.1953 Piltdown-Mensch als Täuschung entlarvt Von Sarah Khosh-Amoz Neuroplastizität - wie das Gehirn sich neu strukturiert Autorin: Maike Brzoska / Regie: Irene Schuck Unser Gehirn verändert sich ständig. Sonst wäre es auch nicht möglich, dass wir uns in unbekannten Umgebungen zurechtfinden oder mit neuen Situationen klar kommen. Die Fähigkeit des Gehirns sich neu zu strukturieren, begleitet uns ein Leben lang, auch noch im hohem Alter, wenngleich in abnehmendem Maße. Was beim Lernen im Gehirn genau passiert, können Forscher immer besser nachvollziehen. Vor allem die Neurogenese, also die Neubildung von Nervenzellen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn gerade diese neuen Zellen reagieren äußerst sensibel auf neuartige Umweltreize. Wichtig ist dieses Wissen zum Beispiel für hirnverletzte Patienten, die nach einem Schlaganfall viele Dinge neu lernen müssen. Aber auch zum besseren Verständnis der Alzheimer Krankheit trägt es bei. Daneben scheint die Neuroplastizität bei Depressionen eine Rolle zu spielen, denn es hat sich gezeigt, dass bei depressiven Menschen die Anpassungsfähigkeit des Gehirns gemindert ist. Einige Forscher vermuten deshalb, dass Depressive neue Reize schlechter verarbeiten können, was zur Folge hat, dass sie sich in neuen Situationen schnell überfordert fühlen. Hurra, falsch! - Aus Fehlern lernen Autorin: Anne Kleinknecht / Regie: Kirsten Böttcher Das übergekochte Nudelwasser - Schwamm drüber! Der Kratzer im Autolack - wen stört"s? Jeder von uns macht Fehler im Alltag. Die meisten sind nicht der Rede wert. Wir ziehen ganz automatisch und häufig unbewusst unsere Schlüsse daraus. Schwerwiegende Fehler können allerdings zur Belastung werden. Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen viel Geld für die Entwicklung eines neuen Produkts in den Sand setzt oder wenn Rettungskräfte um das Leben von Verletzten kämpfen. In einer idealen Welt passieren hier keine Irrtümer. Unternehmen und Organisationen verwenden deshalb viel Geld und Zeit darauf, dass alles nach Plan läuft. Dabei sind Fehler nicht zwangsläufig schlecht. Wer sich konstruktiv mit ihnen auseinandersetzt, sogar offensiv Fehler riskiert, kann viel aus ihnen lernen. Und wer darüber offen redet, bringt nicht nur sich selbst, sondern alle voran. Moderation: Birgit Magiera-Fermum Redaktion: Nicole Ruchlak
Donnerstag 15:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Trappist-1Tintenfische aus dem All? Die Geburt einer wissenschaftlichen Theorie Von Jennifer Rieger Die Forschung über den Beginn des Lebens auf der Erde gibt auch Aufschlüsse über die Funktionsweise wissenschaftlicher Theoriebildung. Ein warmer Tümpel voller chemischer Verbindungen, dazu die perfekten Bedingungen auf einer noch jungen Erde und vielleicht eine Portion Glück - so stellen sich die meisten Wissenschaftler heute den Beginn des Lebens auf der Erde vor. Anhänger der Panspermie-Theorie dagegen glauben, dass das Leben einst aus dem All auf die Erde herabregnete. Zum Beispiel in Form von Weltraumbakterien, die an Bord von Meteoriten auf unseren Planeten reisten. Eine Theorie, die Mitglieder der wissenschaftlichen Community meist mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren. Zumal es für Panspermie kaum Belege gibt - oder solche, die mehr als exotisch klingen. Doch eine kleine Gruppe von Forschenden unterschiedlichster Disziplinen hält hartnäckig an ihren Überzeugungen fest - manche von ihnen seit Jahrzehnten. Zu Recht? Die Entdeckung erdähnlicher Planeten im benachbarten Sonnensystem ,Trappist-1" und Bausteinen des Lebens, die auf Kometen nachgewiesen wurden, lassen die Hoffnung aufflammen, dass die Panspermie-Theorie bald tatsächlich belegt oder widerlegt werden könnte.
Donnerstag 19:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk Kultur

Freispiel

Rauschunterdrückung. Ein Aufnahmezustand Von Ulrich Bassenge Regie und Komposition: der Autor Mit: Yogo Pausch, Georg Karger, Johannes Mayr, JJ Jones, Mona Petri, Michael Stauffer, Ulrich Bassenge, Bernhard Jugel Ton: Daniel Dietmann, Sebastian Nohl und Benno Müller vom Hofe Produktion: WDR / SRF 2019 Länge: 53"26 Das Comeback: Eine Band ohne Namen improvisiert in Studio 3. Ein Gig gegen die Fliehkräfte des Alters, prekäre Arbeitsbedingungen und die Ästhetik des Mainstreams. Gitarrist Hannes trommelt seine ehemalige Band zusammen. In einem abrissreifen Hörspielstudio hat er eine Aufnahmesession gebucht und will aus den alten Songs marktfähige Hits basteln. Sänger JJ, Bassist Georg und Schlagzeuger Yogo haben die Jahre in unterschiedlichen Musikprojekten gearbeitet und setzen alles auf eine Karte. Doch schon bei den ersten Proben kristallisieren sich Konflikte heraus. Die Gräben zwischen Kunstanspruch und Kommerz sind tief, außerdem nagt der Zahn der Zeit nicht nur am Selbstwertgefühl und den materiellen Existenzen, sondern auch an der psychischen Belastbarkeit der Bandmitglieder. Obendrein stört Studiobesitzer Stauffer die kreative Arbeitsatmosphäre. Als die Agentin der Plattenfirma auftaucht, läuft die Session aus dem Ruder. Ulrich Bassenge, geboren 1956 in München, ist Hörspielmacher, Komponist, Musiker. Er spielt Resonator-Gitarre, Kontrabass, E-Bass und Orgel in diversen Bands, komponiert Filmmusik, schreibt Hörspiele, Features und Radioessays, bei denen er stets selbst Regie führt. Letzte Produktionen: "Sirius FM - Expedition an den Bandtellerrand" (zusammen mit Philip Stegers, WDR/Dlf/SWR 2017), sowie das Feature: "Der Fehler als Methode. Irrtum und Zufall in der Musik" (BR 2019). "Rauschunterdrückung. Ein Aufnahmezustand" gewann 2019 den Grand Prix Nova in der Kategorie Hörspiel. Rauschunterdrückung. Ein Aufnahmezustand
Donnerstag 22:03 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg


Donnerstag 22:08 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren